Bryan-Brüder machen im Daviscup alles klar

Wien - Nur mehr knapp an die 3.500 Zuschauer pilgerten am Samstag ins Wiener Dusika-Stadion um das rot-weiß-rote Doppel im Daviscup gegen die USA anzufeuern.

Und auch f+r den harten Kern der Tennis-Fans hat sich der Weg nur bedingt ausgezahlt.

Die amerikanischen Bryan-Br+der Bob und Mike bewiesen ihre derzeitige Ausnahme-Stellung auf der Doppel-Tour und fertigten Julian Knowle und J+rgen Melzer nach nur einer Stunde und 29 Minuten 6:1, 6:4, 6:2 ab.

Damit muss Österreich im September wieder in der Relegation um den Klassenerhalt in der Weltgruppe I kämpfen.

24-minütige Lehrstunde

Besonders der erste Satz vermittelte den Eindruck einer Lehrstunde - auch wenn er gerade mal 24 Minuten dauerte.

Die Bryans zogen schnell auf 3:0 davon, ehe die Österreicher nach hartem Kampf endlich erstmals anschreiben konnten. Danach machten die US-Boys - ihres Zeichens fünffache Grand-Slam-Sieger - kurzen Prozess.

Offener zweiter Satz

Den zweiten Satz konnten die ÖTV-Daviscupper etwas offener gestalten. Dank einem frühen Break zum 2:1 zogen aber auch in diesem die US-Amerikaner schnell vorneweg und servierten souverän aus.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt war im Dusika-Stadion von einer Daviscup-Stimmung nichts mehr zu spüren. Einzig die kleine US-Fraktion bejubelte ihre Helden, die schon im letztjährigen Finale gegen Russland für die Entscheidung sorgten, frenetisch.

Und die Amerikaner hatten im dritten Satz dann auch wieder massig Grund zum Jubel. Nach einer schnellen 4:0-Führung war der Käse im Dusika-Stadion gegessen.

Knowle ohne Spielpraxis

Freilich darf man mit den beiden Österreichern ob der klaren Niederlage nicht zu hart ins Gericht gehen. Denn Vorzeichen auf eine Sensation gab es nicht wirklich.

Julian Knowle konnte aufgrund eines Hörsturzes in der Saisonvorbereitung in diesem Jahr gerade einmal drei Matches absolvieren und feierte mit seinem Partner Simon Aspelin, mit dem er 2007 die US Open gewann, nur einen einzigen Sieg auf der Tour. Zuletzt plagte sich der Vorarlberger auch noch mit einer chronischen Ellbogen-Verletzung.

Partner Jürgen Melzer stand zudem am Vortag gegen Andy Roddick über vier Stunden auf dem Platz. Und eines weiß man im Tennis-Zirkus genau: Um gegen die beiden Bryan-Brüder zu bestehen, muss einfach alles passen! Davon waren die beiden ÖTV-Asse an diesem Samstag leider weit entfernt.

"Waren von einer Sensation weit entfernt"

"Die Bryans haben vom ersten Moment an gezeigt, wer der Chef am Platz ist", gab Melzer zu. "Wir waren von einer Sensation weit entfernt."

Die klare Überlegenheit schrieb er vor allem der Stärke der Bryan-Zwillinge zu. "Die Return-Fehler der beiden kann man an zwei Händen abzählen. Selbst wenn ich frisch gewesen wäre, hätten wir heute nur wenig Chancen gehabt. Ich hatte gar keine Zeit zum müde werden."

Auch Knowle wollte sich nach der Partie nicht mit Ausreden aus der Affäre ziehen. "Ausreden haben hier nix verloren. Die beiden waren einfach zu gut. Sie haben gezeigt warum sie Nummer eins der Welt sind. Sie waren uns in allen Belangen überlegen."

"Die beiden haben uns überrollt"

Der Vorarlberger erklärt weiter: "Um gegen die Bryans zu bestehen, muss man lange dabei bleiben. Das ist uns leider überhaupt nicht gelungen. Und dann überrollen einen die beiden. Wir sind nicht zum spielen gekommen. So wenige Returns am Netz habe ich wohl noch nie gespielt."

Melzer: "Wir waren auch bei unserem Aufschlagspielen immer extrem unter Druck. Wir haben unsere Chancen in den Einzeln gehabt."

ÖTV-Kapitän Gilbert Schaller stimmt zu: "Heute waren wir meilenweit von einem Sieg entfernt. Wir sind natürlich enttäuscht, aber wir wussten, dass es sehr schwer werden würde."

Aus dem Wr. Dusika-Stadion berichtet Christian Frühwald
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