"Fitness wird sich schnell richten lassen!"

Wien - Auch einen Tag nach der knappen Fünf-Satz-Niederlage gegen Gael Monfils bei den French Open trauert Jürgen Melzer dem durchaus möglichen ersten Achtelfinal-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier nach.

"Es ist wirklich schade. Die Chance auf den Sieg war ja doch ziemlich groß", ärgerte sich der 27-jährige Deutsch-Wagramer am Sonntag im Gespräch mit LAOLA1.

Melzer weiß auch genau, wann und wie er den Erfolg vergab. "Ich habe die Partie im zweiten Satz verloren. Bei 4:4 hat er sich bei einem Breakball von mir leider mit einem Netzroller herausgeritten."

Netzroller rettete Monfils

"Denn eigentlich hatte ich den Punkt schon gewonnen. Der Netzroller war die einzige Möglichkeit, mit der er sich retten konnte. Dann habe ich bei 5:5 noch einmal drei Breakbälle gehabt und zwei davon ganz blöd hergeschenkt."

In Folge sorgte ausgerechnet die stärkere Fitness für die Entscheidung zu Gunsten des Franzosen.

"Ich habe schon Ende des dritten Satzes gemerkt, dass es eng wird. Ich hab zwar noch souverän ausservieren können und mir zwei Breakbälle im ersten Games des vierten Satzes holen können, dann war aber die Luft raus."

"Solange ich Kraft hatte, war ich der Bessere"

Denn im Gegensatz zu seinem Zweitrundenmatch gegen Luis Horna, wo er schon im dritten Satz wegen Krämpfen behandelt wurde, präsentierte sich Monfils am Samstag in bester körperlicher Verfassung.

"Ich hab mir zwar noch den vierten Satz genommen, um mich zu erholen. Im fünften hat er mir aber keine Chancen mehr gegeben", zollte Melzer seinem Kontrahenten Anerkennung.

Allerdings merkte der ÖTV-Daviscupper auch an: "Solange ich genügend Kraft hatte, war ich der bessere Spieler. Monfils macht während dem Match ja nicht viel. Er verlässt sich auf seinen Aufschlag und läuft jeden Ball raus."

Melzer nimmt Selbstvertrauen mit nach Hause

Trotz der Enttäuschung kann Melzer seinem Paris-Auftritt aber auch viel Positives entnehmen: "Vor zwei Wochen war ich ja noch so weit unten wie nie. Jetzt schaut es dagegen ganz gut aus. Ich wusste ja auch schon vorher, dass ich für ein Grand Slam kärperlich nicht fit bin."

Diesen Rückstand will Melzer nun so schnell wie möglich wiedergutmachen. "Ich hatte mit der Fitness ja noch nie Probleme. Das wird sich schnell wieder richten lassen."

Nach einem Regenerationstag am Sonntag wird sich Melzer schon am Montag mit seinem Fitnesscoach Michael Buchleitner zusammensetzen, um einen Trainingsplan für die kommenden Tage zu erstellen.

Melzer startet Rasensaison im Queen's Club

Auf der ATP-Tour geht es in einer Woche im Londoner Queen's Club weiter. "Danach werde ich entweder in Nottingham oder Hertogenbosch spielen. Da bin ich zwar noch nicht fix im Hauptbewerb, werde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit reinrutschen. Ich freue mich schon sehr auf die Rasensaison - spielerisch passt's ja jetzt wieder",

Melzer wird künftig übrigens mit einem größeren Team unterwegs sein. Sein Coach Joakim Nyström hat seit Barcelona neben dem Niederösterreicher auch den Finnen Jarkko Nieminen unter den Fittichen. Die Zusammenarbeit fädelte Melzer persönlich ein.

"Kenne Jarkko seit ich 16 bin"

"Ich kenne Jarkko schon seitdem ich 16 Jahre alt bin. Er ist auf mich zugekommen und wir haben uns da relativ schnell geeinigt, wie wir es machen wollen", erzählte Melzer, der dabei keine Nachteile befürchtet.

Ganz im Gegenteil: "Der Tour-Alltag fällt in einem größeren Team leichter. So ist es einfach allgemein lustiger. Ich verstand mich mit Jarkko ja schon vorher sehr gut."

Und vielleicht kann Melzer das zukünftige "Stallduell" schon bald offener gestalten. Derzeit hat der Weltranglisten-26. mit 71 Plätzen Vorsprung klar die Nase vorne.

Christian Frühwald - Copyright www.laola1.at