Jürgen Melzer vor größter Partie meines Lebens!

Peking österreichs Tennis-Express braust weiter über die Anlage in Peking.

Jetzt stehen Jürgen Melzer und Sybille Bammer bereits unter den besten Acht. So wie beide drauf sind, muss im Viertelfinale noch lange nicht Schluss sein.

Jürgen Melzer spricht im LAOLA1-Interview über seinen Sieg gegen den Taiwanesen Lu und freut sich jetzt auf die wohl größte Partie meines Lebens gegen die kommende Nummer 1 der Welt, Rafael Nadal.

Der Spanier meinte in der Pressekonferenz nach seinem Sieg gegen den Russen Igor Andreew diplomatisch: "Ich kenne Melzer, auch wenn wir noch nie gegeneinander gespielt haben. Er ist ein starker Spieler mit einem guten Service. Er wird versuchen, dass ich keinen Rhythmus finde. Das wird sicher schwer."

LAOLA1: Wie fällt deine Match-Analyse gegen Lu aus?

Jürgen Melzer: Ich habe ihn vom ersten Ballwechsel weg unter Druck gesetzt und mein Service relativ problemlos durchgebracht. Und wie ich schon gestern gesagt habe, wenn ich so returniere und bei meinem Service souverän bin, dann kann ich noch mehr riskieren bei den Return-Spielen und dann fällt vieles leichter.

LAOLA1: Hat dich die heute doch größere Zuschauerzahl auf Court drei motiviert?

Melzer: Es ist so, dass ich mich voll darauf konzentriert habe, dass ich bei der Sache bleibe und mich nicht auf die Zuschauer einlasse. Ich habe gewusst, dass der Taiwan Chinese mehr Unterstützung haben wird als ich. Ich glaube, ich habe das gut gehandelt und das 6:2, 6:4 war glatt genug, dass sich die Zuschauer nicht so sehr involvieren konnten.

LAOLA1: Wie sehr hast du vor dem Turnier mit dem Vordringen in Viertelfinale spekuliert?

Melzer: Gar nicht. Das ist ein sehr großer Erfolg für mich bei Olympia im Viertelfinale zu stehen. Man weiß, dass wenn man zu so einem Turnier kommt, sehr gute Leute schlagen muss, um dort hin zu kommen. Das ist mir gelungen und jetzt schaue ich, dass ich meinen Kopf für die nächste Aufgabe frei bekomme.

LAOLA1: Ist das Spiel gegen Nadal Belohnung, oder eine unüberwindbare Hürde im Kampf um eine Medaille?

Melzer: Weder noch. Klar, es wartet die zukünftige Nummer 1 der Welt. Er hat zuletzt überall gewonnen, wo er angetreten ist, aber um zu gewinnen, muss ich in die Partie gehen, so als wäre es ein Match wie jedes andere. Dabei wird es ein komplett anderes Spiel werden als alle bisherigen Partien im Turnier. Das Spiel wird auf dem Centre Court stattfinden und dort ist der Belag ganz anders als auf allen übrigen Plätzen. Ich habe dort einmal mit Julian Doppel trainiert und war überrascht wie pfeilschnell der Platz gegenüber den Außenspielbahnen ist. Das ist gegen Nadal aber wahrscheinlich kein Nachteil. Ich werde versuchen, ihn mit Service-Volley unter Druck zu setzen. Mal schauen, wie er mit den schnellen Returns zurecht kommt.

LAOLA1: Wie würdest du Rafael Nadal als Typ beschreiben?

Melzer: Ich habe weder mit ihm trainiert noch habe ich gegen ihn je gespielt. Jeder spricht davon, dass sein Vorhandspin extrem schnell weg geht. Ich werde sicher versuchen ihn so wenig wie möglich auf der Vorhand anzuspielen und seine Rückhand forcieren. Ich glaube, dass ich als Linkshänder sogar die Möglichkeit habe, ihm weh zu tun. Ich kenne ihn als eine Kampfmaschine, die nie aufgibt. Als Typ glaube ich, dass er sehr nett ist, aber zwischen uns liegt eine sprachliche Barriere. Ich spreche nicht spanisch und er spricht ungern englisch, insofern haben wir wenig miteinander zu tun. Er ist ein sehr kräftiger Spieler, der sehr auf seine Fitness baut. Aber heutzutage ist es so, dass nur gewinnen kann, wer wirklich austrainiert ist. Beim ihm kommt noch dazu, dass er über einen sehr schnellen Arm verfügt und dadurch mit seiner Vorhand extrem viel Druck ausüben kann. Daher will ich unbedingt vermeiden, ihn auf der Vorhand anzuspielen.

LAOLA1: Spürst du langsam, dass es Richtung Medaille geht?

Melzer: Na klar, wenn man bei den Olympischen Spielen ist und weiß, dass der letzte Olympiasieger Nicolas Massu heißt, dann traut man sich das auch erreichen. Ich stehe im Viertelfinale, will weiter kommen und um eine Medaille spielen.

LAOLA1: Wie geht es den Beinen, wie verspannt bist du?

Melzer: Es geht, auch wenn ich heute in der Früh schon sehr steif war. Also noch steifer als gestern, aber sobald ich auf dem Platz stehe vergesse ich das und ich habe mich heute wieder wunderbar bewegt. Ich war relativ geschmeidig und ich glaube, das kann so weiter gehen.

LAOLA1: Wie wichtig wird diese Partie für dich werden?

Melzer: Ich freue mich riesig darauf. Ein Viertelfinale bei den Olympischen Spielen auf dem Centre Court zu spielen, das wird wahrscheinlich zu den größten Partien meiner Karriere zählen. Ich hoffe, dass ich da positiv rausgehen kann.

Das Gespräch führte Peter Rietzler

Copyright www.laola1.at