Teil 233: Nadals Präsenz auf dem Platz ist ungalublich

Ich blicke - abgesehen vom Nadal-Spiel - auf ein unglaublich zufrieden stellendes Olympia-Turnier zurück. Peking hat mir um vieles besser gefallen als Athen. Ich habe mich hier richtig wohl gefühlt und nehme viele positive Erinnerungen mit nach Hause.

Meine Matchanalyse gegen Nadal fällt nach dem 0:6, 4:6 natürlich negativ aus.

Jeder hat gesehen, dass er zu Beginn der Partie sehr überlegen war. Ich will auch gar nicht nach Ausreden suchen, er ist klar der bessere Tennisspieler.

Der Wahnsinn für mich ist, dass es hier zwei total verschiedene Turniere gab. Eines auf den Außenplätzen und eines auf dem Centre Court. Dadurch dass es am Donnerstag den ganzen Tag geregnet hat, konnte ich auf dem Hauptplatz auch nicht trainieren und mich an die total geänderten Bedingungen gewöhnen. Zum einen ist das Stadion sehr groß, dann ist der Platz ungefähr fast zehn Mal so schnell.

Ich habe überhaupt kein Timing gehabt. Zuerst hatte ich mit dem irren Spin von Nadal zu kämpfen, der ist echt extrem. Ich habe mich am Anfang überhaupt nicht ausgekannt.

Was ich mir zugute halten muss ist, dass ich mich nicht gehen lassen habe, sondern im zweiten Satz dann das Rebreak geschafft habe, einiges umstellen konnte, aber ob ich Nadal schlagen kann, das steht in den Sternen.

Wahrscheinlich kann ich gegen Nadal von 100 Partien eine oder zwei für mich entscheiden.

Im Vergleich zu den letzten Tagen hat mein Spiel am Centrecourt einfach total anders ausgesehen. Dann kam dazu, dass ich ein bisschen nervös war, dazu ist der Start misslungen und es stand schnell 0:3. Ich habe einfach überhaupt nicht ins Spiel gefunden.

Wie sich Nadal bewegt, ist unglaublich. Er hat eine enorme Präsenz auf dem Platz und drückt einem vom ersten Ballwechsel weg runter. Das muss ich neidlos anerkennen und aus der Partie seine Lehren ziehen.

Könnte ich das Spiel noch einmal beginnen, würde ich beim ersten Aufschlag sicher mehr riskieren. Dazu würde ich schauen, dass ich vielleicht mehr freie Punkte bekomme.

Eine absolute Frechheit finde ich, dass wir bei so einem wichtigen Turnier um ein Uhr früh noch spielen müssen. So wie das Turnier aufgezogen ist - Roger Federer hat das ja völlig zu Recht angeprangert - ist es ein absoluter Wahnsinn.

Warum kann man die Partie nicht um einen Tag verlegen. Was bringt es, nach Mitternacht ein Olympia-Viertelfinale zu beginnen. Das sind so Dinge, die einfach nicht passieren dürfen. Es kann auch nicht sein, dass die Plätze derart unterschiedlich sind, das gibt es nirgends. Nadal hat den Platz in- und auswendig gekannt. Er hat alle seine Spiele auf dem Centrecourt bestritten. Das ist ein Vorteil, den er gegen mich nicht braucht. Der Spanier ist auch so gut genug.

Für mich geht es jetzt in den USA weiter. Ich habe, auch aufgrund meines guten Leistungen hier in Peking, wieder richtig Lust auf die Reisen und das Leben als Tennisprofi.

Das will ich mit zum Turnier in New Heaven und mit nach New York zu den US Open nehmen.

Ich bin überzeugt, dass ich in der weiteren Saison an die zuletzt erbrachten Leistungen anschließen kann und blicke zuversichtlich in die kommenden Wochen und Monate.

Euer Jürgen

Donnerstag (15. August 2008) - Copyright www.laola1.at