Melzer scheidet nach Fünf-Satz-Krimi aus

New York - Jürgen Melzer muss sein Vorhaben, bei einem Grand-Slam-Turnier endlich einmal ein Achtelfinale zu erreichen, auf 2009 verschieben.

Dem 27-jährigen Niederösterreicher fehlten beim Stand von 7:6(5),6:4,6:6 und 5:4 im Tie-Break nur zwei Punkte zum Sieg, letztlich musste er sich dem Weltranglisten-Sechsten Andy Murray (GBR) aber nach 3:52 Stunden noch mit 7:6(5),6:4,6:7(5),1:6,3:6 beugen.

Melzer war spätestens nach dem dritten Satz offenbar angeschlagen, musste sich ab dann immer wieder an beiden Oberschenkeln massieren lassen.

Melzer lange dominant

Damit zog der ÖTV-Davis-Cup-Spieler, der in wenigen Wochen in London beim Länderkampf in Wimbledon dem Schotten wieder gegenüberstehen wird, auch im achten Anlauf in einer dritten Major-Runde den Kürzeren.

Besonders bitter, weil sich Melzer in Flushing Meadows in ausgezeichneter Form gezeigt hat. Auch das Match gegen den favorisierten Murray hatte er lange Zeit im Griff.

Im ersten Satz ging es ohne Service-Verlust ins Tie-Break, Melzer hatte dabei bei 5:6 zwei Satzbälle abgewehrt. Nach 56 Minuten nützte er seinen zweiten Satzball zur Führung.

Im vierten Satz reißt der Faden

Im zweiten bescherte das erste Break des Spiels zum 6:4 Melzer eine komfortable Führung.

Im dritten Satz egalisierte der groß aufkämpfende Melzer einen 3:5-Rückstand mit dem Rebreak zum 5:5, im Tiebreak führte er 5:4 und war nur zwei Punkte vom ersehnten Aufstieg in die Runde der letzten 16 entfernt.

Nach einer Behandlung nach dem dritten Satz riss aber der Faden abrupt bei Melzer, der vierte Durchgang ging in Windeseile an Murray.

Immer wieder Massage-Pausen

Im fünften war Melzer plötzlich wieder da, gewann das Auftakt-Aufschlaggame zu Null und hielt bis zum 3:3 mit. Immer wieder ließ er sich bei Seitenwechseln aber massieren.

Ein Break zum 3:4 und dann auch noch zum 3:6 nach Abwehr von zwei Matchbällen besiegelten das Aus der österreichischen Nummer 1 der Tennis-Herren.

Damit bleibt Thomas Muster der bisher letzte Achtelfinalist bei den US Open (Viertelfinale 1996).

"Die Leere ist groß"

"Am Schluss war es dann die Fitness. Ich war am Ende vom dritten Satz zwei Punkte vom Sieg entfernt. Wenn ich es da ausmache, wäre es wahrscheinlich die beste Leistung meines Lebens gewesen. So muss ich mit bitterem Beigeschmack einfach eine gute Leistung mitnehmen. Es ist sehr schade, weil ich habe meine Chancen gehabt und konnte sie nicht nützen. Gegen einen Spieler wie Murray muss man einfach die wenigen, die man bekommt, nützen", meinte Melzer nach seinem Aus.

Die extreme Schwüle hat ihm zu seiner eigenen Überraschung viel Substanz gekostet, Murray war an diesem Tag der fittere Spieler.

Melzers Gefühlszustand: "Die Leere ist groß. Es war mein Ziel, wie bei jedem Grand Slam, in die zweite Woche einzuziehen, es ist mir nicht gelungen. Im Moment ist die Enttäuschung noch sehr groß, weil ich doch vier Stunden am Platz gestanden bin und im Endeffekt stehe ich mit leeren Händen da."

Bammer hält ÖTV-Fahne hoch

Am Sonntag (2. Match nach 17:00 Uhr MESZ) hat Sybille Bammer als letzte ÖTV-Vertreterin im Einzel im Achtelfinale noch die Chance auf ein Weiterkommen.

Im zweitgrößten Stadion der Anlage, dem Louis-Armstrong-Stadium (Fassungsvermögen mehr als 10.000 Zuschauer), misst sie sich mit der als Nummer 12 gesetzten Französin Marion Bartoli.

In ihrem dritten Achtelfinale will Bammer erstmals in die Runde der letzten 8 bei einem Grand-Slam-Turnier aufsteigen.

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