Nach Rom-Kurz-Trip geht

Wien - So zufrieden konnte Jürgen Melzer wohl noch selten nach einer 1:6, 1:6-Pleite Bilanz ziehen.

Nachdem der 28-jährige Niederösterreicher vergangene Woche in Umag nach Siegen über Dabul, Cuevas und Ljubicic bis ins Halbfinale vorstieß, setzte es dort eine bittere Lehrstunde gegen einen überragenden Nikolai Dawydenko.

"Da bin ich einfach überrollt worden", erinnert sich Melzer im Gespräch mit LAOLA1 zurück.

"Beinahe jeder Schlag ein Winner"

"Ich spiele schon lange Tennis, aber ich habe noch nie gegen jemanden gespielt, der so dominant am Platz ist."

"Beinahe jeder Schlag war ein Winner", staunt der TV-Daviscupper über die Leistung seines Stallkollegen, der wie Melzer von Manager Ronnie Leitgeb vermarktet wird.

"Ich habe nach dem Match mit Nikolai gesprochen und er hat selbst gesagt, dass man so nur einmal in seinem Leben spielt."

Müde vom Vortag

Erschwerend kam hinzu, dass Melzer alles andere als fit auf den Platz kam. Nach dem Marathon-Match gegen Ivan Ljubicic schaffte er es erst um 3 Uhr in der Nacht ins Bett. "Aber selbst wenn ich voll fit gewesen wäre, hätte es da nichts zu holen gegeben", stellt Melzer ehrlich fest.

Der Niederösterreicher freut sich lieber über seine starken Leistungen in den vorangegangenen Partien. "Die Woche war auf alle Fälle positiv. Ich habe 3 Matches gespielt, die sehr in Ordnung waren. Cuevas ist ein sehr guter Sandplatz-Spieler, der sich noch dazu in einer guten Form befindet. Der coolste Tag war allerdings der Freitag!"

Freundin Jukic gab Auftrieb

Da schwamm zuerst Freundin Mirna Jukic bei der Langbahn-WM in Rom über 200 Meter Brust zur Bronze-Medaille, danach überzeugte Melzer mit seinem Viertelfinal-Sieg über Kanonen-Aufschläger Ivan Ljubicic, bei dem er gleich drei Matchbälle abwehren musste.

"Die Partie war sehr eng und ich habe eigentlich fürchterlich serviert. Ich habe aber alles gegeben und dadurch das Match noch herumgerissen. Die Matchbälle hat zudem nicht Ljubicic vergeben, sondern ich habe sie abgewehrt", freute sich Melzer über seine mental starke Vorstellung.

"War sehr nervös vor Mirnas Rennen"

Hat ihn der Erfolg seiner Mirna im Kopf stärker gemacht? "Naja, Tennis spielen muss ich natürlich selber. Aber ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass es für sie geklappt hat."

"Ich war vor ihrem Rennen selbst schon sehr nervös. Ich weiß ja, wie viel sie dafür gearbeitet hat und habe es ihr von ganzem Herzen gewunschen."

Nach dem Aus in Umag flog Melzer bereits am Sonntag in den Morgenstunden nach Rom, um mit seiner Freundin die Bronzemedaille zu feiern. Am Montag hängte das Liebes-Pärchen noch einen Tag Sightseeing in Rom an.

Am Donnerstag nach Montreal

Zeit blieb allerdings nicht viel, denn schon am Abend ging es für Melzer wieder ab nach Wien. Schließlich steht für Donnerstag schon der Abflug nach Montreal auf dem Programm, wo Melzer in die US-Hartplatz-Saison starten wird.

"Ich habe jetzt auf Sand nur ganz wenige schlechte Partien gespielt und mental auch einen Schritt nach vorne gemacht. Dementsprechend freue ich mich auf die Hartplatz-Saison. In Montreal und Cincinnati geht es wegen des Belags bzw. der Temperaturen sehr zügig zur Sache. Das gefällt mir!"

Coach Nyström bleibt zu Hause

Als Reisebegleitung hat Melzer seinen Sparring-Partner Ingo Neumüller und seinen Physiotherapeut Jan Velthuis mit. Touring-Coach Joki Nyström ist aus positiven Gründen verhindert.

"Seine Frau und er erwarten in der letzten August-Woche ein Baby. Das ist ja keine Frage, dass das für ihn wichtiger ist", zeigt Familien-Mensch Melzer Verständnis.

Erst nach der US-Tournee wird Nyström wieder zu seinem Schützling stoßen.

Christian Frühwald

Quelle: LAOLA1.at 13.07.2009, 12:35 Uhr

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