"Petzsche" ist meine Warnung vor AHM

Wie cool ist das, dass es auch „AHM“ ins Finale geschafft hat? Nicht so sehr vom Spielertyp her, da wäre mir Berrer vielleicht einen Hauch besser gelegen, aber dass jetzt nach 1988 zum zweiten Mal zwei Österreicher in Wien im Finale stehen, das ist schon etwas ganz, ganz Besonderes. Und zeigt, dass Tennis in Österreich ganz steil auf dem aufsteigenden Ast ist.


Eine Gefahr besteht für morgen ganz sicher nicht: Ich werde „AHM“ auf gar keinen Fall unterschätzen, vor seinem Aufschlag hab ich wirklich eine gehörige Portion Respekt. Es erwartet mich morgen eine wirklich schwere Aufgabe - und ich sag das jetzt nicht aus Höflichkeit. Man darf nicht vergessen: Philipp Petzschner hat 2008 das Turnier aus der Quali heraus gewonnen, als Nummer 125 - das war der Beginn von Petzsches Lauf, ein Jahr später ist er Top 40 gestanden. So was ist natürlich auch dem Andi zuzutrauen.

Ich habe den „AHM“ eigentlich beim Davis Cup in Israel erst ein bisschen näher kennen gelernt, seither sind wir per SMS relativ regelmäßig in Kontakt. Er ist ein netter Kerl - abseits vom Platz zum Glück nicht so aggressiv wie auf dem Platz. ;)

Sorgen macht mir, wenn ich ehrlich bin, der Ellbogen. Man hat heute wahrscheinlich gesehen, wie weh er getan hat. Wirklich schlimm war es nach einem Stich an der Innenseite vom Ellbogen beim Aufschlag bei 0:1 und Breakball gegen mich im zweiten Satz. Der Physio ist danach gekommen und hat behandelt - das war ganz und gar nicht angenehm, aber hat doch ein bisschen geholfen. Außerdem hab ich, was ich extrem ungern tue, bei 0:3 sogar zwei Schmerztabletten genommen.


Warum ich bei Schmerzmitteln sehr, sehr vorsichtig bin, hat einen ganz einfachen Grund: Ich will auch nächstes Jahr noch Tennis spielen können. Schmerz ist zwar unangenehm, aber er ist auch ein Signal vom Körper. Und als Sportler muss man auf seinen Körper hören - und ich will's merken, bevor etwas Arges passiert.


Ich hab jetzt zuhause den Arm jedenfalls dick in Eis gepackt und werde abends noch was Entzündungshemmendes nehmen. Hoffentlich kriegen wir das bis morgen hin.


Schmerzen hab ich nur beim Aufschlag, den musste ich dann umstellen - keinen Kick mehr, weil es bei dem besonders weh getan hat, sondern Slice. Das ist dann besser gegangen. „Gut“ würde ich nicht sagen, aber es war dann doch zum Aushalten.


Ein paar Leute haben mich gefragt, ob ich die Partie gegen Almagro heute irgendwo anders gewonnen hätte als in der Wiener Stadthalle - ich weiß es ehrlich nicht, aber ganz sicher ist: Das Publikum hat unglaublichen Spaß gemacht, hat extrem geholfen, und es war einfach geil, diese Unterstützung zu spüren. Es hat sogar doppelt geholfen: Mich hat's gepusht, Almagro hat's genervt.


Almagro ist ein bissl ein Reizer, das hat er heute gezeigt, und ist auch nicht der allerbeliebteste Spieler auf der Tour, weil er sich manchmal in eher unpassenden Momenten ziemlich sehr laut anfeuert. Aber auch mit so was hab ich gelernt umzugehen: Es kommt schon der richtige Moment, wo man sich in der passenden Lautstärke seinerseits pusht. Es gehört dazu, dass man sich auch in solchen Sachen zu helfen weiß. ;)


Vom Spielen her hab ich den ersten Satz heute auf sehr hohem Niveau empfunden, da haben wir beide sehr viel getroffen. Und die Partie hätte nach diesem ersten Satz schnell gehen können: Im ersten Game vom zweiten Satz war er scheißdrauf, das Game hat ihn genau gar nicht interessiert. Genau so hat er auch gespielt, aber hat leider genau so dann auch die Breakbälle abgewehrt. Und im nächsten Game hat er mich gebreakt - statt mit Satz und 2:0 ist es 0:2 gestanden, und der Ellbogen hat höllisch weh getan. Ganz wichtig war, dass ich relativ bald zurückgebreakt habe, sonst wäre das heute noch viel unangenehmer geworden.


Am Nationalfeiertag bei unserem Besuch auf dem Heldenplatz hat der Bundespräsident gesagt, er wird schauen, ob sich ein Besuch ausgeht - ich denk mir, ein Österreicher-Finale könnte er sich schon anschauen. Apropos Österreicher-Finale: Der einzige Wermutstropfen ist, dass es so eine Stimmung wie heute morgen nicht geben wird. Das ist aber wirklich der einzige Wermutstropfen. Andi und ich werden umso mehr versuchen, dass dieses tolle Wiener Publikum ein Super-Finale zu sehen bekommt.


*five freeze*
JM


Quelle: www.tennisnet.com