Wenn man zuviel Zeit zum Nachdenken hat

Mittwoch, 10. November


Wenn man zuviel Zeit
zum Nachdenken hat 


6:3, 7:6 gegen Santiago Giraldo - das war eher Pflicht als Kür. Normalerweise hätte der zweite Satz nicht unbedingt in die Verlängerung müssen, aber ich hab dann noch das Rebreak kassiert. Es ist hier einfach so schnell, dass man sich bei der Konzentration überhaupt nichts leisten kann. Da kannst du noch so überlegen sein, für ein schnelles Break reicht eine Minute, in der du ein bisschen locker lässt.


Ernsthaft in Gefahr, die Partie zu verlieren, war ich aber nicht. Giraldo hat zwar besser serviert als erwartet, vor allem bei wichtigen Punkten, aber auf der Vorhand war ihm das einfach zu zügig. Probleme hatte ich mit seinem zweiten Aufschlag, und zwar eher Probleme der kuriosen Art: Sein zweiter war wirklich langsam, ein besserer Einwurf, aber jedesmal auf den Körper. Und vor lauter Zeit zum Nachdenken, ob ich jetzt mit der Vor- oder der Rückhand retourniere, hab ich darauf vergessen, was man hätte tun müssen: Einfach draufhauen auf die Kugel.


Meine Aufschlagleistung war weit weg von dem, was ich kann, aber unzufrieden darf ich trotzdem nicht damit sein: Der Ellbogen ist zwar schon besser, aber halt noch lange nicht gut. Dass ich bei diesem Turnier nicht mit 100 Prozent servieren kann, damit muss ich leben.


Morgen spiele ich entweder gegen Ferrer oder gegen Fonigni, ich sehe die Partie gerade am Monitor, während ich massiert werde. Ich bin ziemlich sicher, dass es Ferrer wird, die beiden sind sehr ähnliche Spielertypen, aber Ferrer ist erstens besser und hat zweitens viel Selbstvertrauen als Turniersieger von Valencia.


Ferrer muss man auf diesem Belag nehmen, klar. Aber eine g'mahte Wiesn ist das morgen sicher nicht, auch wenn ich ihn hier in Paris ja schon auf seinem besten Belag ziemlich hergerichtet hab. Das kann ein ganz anderes Match werden als in Roland Garros; ich werde versuchen, ihm keinen Rhythmus zu geben. Er wird versuchen, gut damit umzugehen - mal sehen, wer das bessere Ende hat. Eine 50:50-Partie, würde ich sagen.


Abgesehen vom Tennis verbringe ich hier die meiste Zeit in der Horizontalen: lesen, schlafen, erholen, wie eh schon der Andi Du-Rieux in seinem Blog geschrieben hat. Die letzte Woche in Wien war, so schön sie war, auch wahnsinnig anstrengend. Jetzt laden die Batterien langsam wieder auf.


*five freeze*
JM


Quelle: www.tennisnet.com